Dein Ergebnis aus dem Test Bindungsangst · – / 5 Bindungsvermeidung · – / 5
Angst hoch · Vermeidung hoch

Ängstlich und vermeidend

Nähe ist Wunsch und Warnsignal gleichzeitig, und beides ist stark. Das ist der anspruchsvollste der vier Typen, und der einzige, bei dem auf dieser Seite gleich steht, wo ein Heft an seine Grenze kommt.

Andere NamenÄngstlich-vermeidend, furchtsam-vermeidend
Keine DiagnoseSteht in keinem Diagnosekatalog
Erster SchrittEine Fachperson, nicht ein PDF
Das gehört nach oben und nicht ans Ende. Dieser Typ ist häufiger mit Vernachlässigung und mit Gewalt verbunden als die anderen drei. Gehört das zu deiner Geschichte, ist eine Fachperson die bessere Adresse als ein Selbsttest und als ein Arbeitsheft. Nicht aus Formalität, sondern weil es hier um Dinge geht, bei denen jemand reagieren können muss. Wie das in der Schweiz abläuft, steht in den häufigen Fragen. Bei akuter Belastung: Telefon 143, rund um die Uhr.

Kennst du das?

Das Kennzeichen dieses Typs ist nicht ein Muster, sondern zwei, die sich gegenseitig aufheben. Deshalb klingt bei den Sätzen unten meist beides wahr, und darum geht es.

  • Du willst, dass jemand bleibt. Und wenn er bleibt, wird es dir zu eng. Beides ist echt, und zwar nicht abwechselnd, sondern im selben Moment.

  • Du schreibst eine Nachricht, löschst sie, schreibst sie wieder und schickst sie nicht. Danach ärgerst du dich über beides: dass du es wolltest und dass du es nicht getan hast.

  • Nähe fühlt sich gleichzeitig nach Erleichterung und nach Gefahr an, ohne eine Reihenfolge, die man erklären könnte.

  • Du gehst, weil du Angst hast, dass die andere Person geht. Hinterher weisst du, dass das nicht logisch war. In dem Moment war es das Einzige.

  • Du kannst deine zwei Seiten niemandem erklären, ohne dass es wie eine Ausrede klingt. Auch dir selbst nicht, und das ist der einsamste Teil daran.

  • Nach einer guten Phase kommt bei dir Wachsamkeit statt Ruhe, als müsste etwas eingelöst werden, das noch offen ist.

Warum sich das nicht auflöst

Bei den anderen beiden unsicheren Typen gibt es eine Strategie, die funktioniert und einen Preis hat. Hier gibt es zwei, und jede macht die andere unbrauchbar.

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Der Alarm geht los

Wie beim ängstlichen Typ wird etwas Mehrdeutiges eindeutig gelesen, und der Körper geht hoch. Der Impuls danach heisst: näher kommen, klären, Kontakt herstellen.

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Und mit dem Näherkommen der zweite Alarm

Nähe ist die Stelle, an der es früher gefährlich war. Also greift die andere Strategie: Abstand herstellen, sachlich werden, weggehen. Nicht nacheinander, sondern übereinander.

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Beides gleichzeitig, und keins kommt an

Näher kommen, um sicher zu sein. Weggehen, um sicher zu sein. Weil jede der beiden Strategien die andere auslöst, kommt keine zur Ruhe, und die Erleichterung, die bei den anderen Typen zumindest kurz eintritt, bleibt aus.

Darum ist dieser Typ anstrengender, nicht «schlimmer»
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Von aussen sieht es unberechenbar aus

Die andere Person erlebt Zuwendung und Rückzug, ohne die Regel dahinter zu erkennen, und reagiert entsprechend unberechenbar. Das ist derselbe Mechanismus, der das Muster ursprünglich erzeugt hat, jetzt in beide Richtungen.

Es ist kein Widerspruch in dir. Es sind zwei Antworten auf zwei echte Gefahren, und sie kommen aus derselben Geschichte.

Woher das kommt

Bei den anderen unsicheren Typen ist die Bindungsperson entweder unberechenbar verfügbar oder verlässlich nicht verfügbar. In beiden Fällen bleibt eine Strategie übrig, die etwas bringt.

Dieser Typ entsteht dort, wo dieselbe Person Quelle des Trosts und Quelle der Angst war. Dann ist keine Strategie brauchbar: hingehen ist gefährlich, weggehen auch. Ein Kind, das beides gleichzeitig lernen muss, lernt beides und behält beides.

Deshalb hängt dieser Typ häufiger als die anderen drei mit Vernachlässigung, mit Gewalt und mit Verlusten zusammen, die niemand begleitet hat. Das ist eine Wahrscheinlichkeit und keine Aussage über dich. Es gibt Menschen mit diesem Ergebnis, bei denen nichts davon vorkommt. Es ist aber der Grund, warum oben auf dieser Seite ein Hinweis steht und kein Kaufknopf.

Und wenn du trotzdem eines willst

Dann das zu deinem höheren Wert, und am besten neben einer Begleitung und nicht anstelle davon. Weiter unten steht, welches das ist und in welcher Reihenfolge.

Zu den Heften →

Was nicht stimmt

Über diesen Typ steht im Netz mehr Unsinn als über die anderen zusammen, und ein Teil davon ist schädlich.

«Das ist desorganisierte Bindung, das ist eine Traumastörung.»
Hier werden zwei Dinge vermischt. «Desorganisiert» ist eine Beobachtungskategorie aus der Kinderforschung; im Erwachsenenmodell heisst der Quadrant ängstlich-vermeidend. Und keines von beiden ist eine Diagnose, weil Bindungsstil in keinem Diagnosekatalog steht. Eine Traumafolgestörung ist etwas anderes und wird von einer Fachperson festgestellt, nicht von einem Fragebogen.
«Du bist beziehungsunfähig.»
Das Wort beschreibt nichts und erklärt nichts. Was hier vorliegt, sind zwei gelernte Strategien, die sich blockieren, und gelernte Strategien sind der Teil eines Menschen, der sich am ehesten verändert. Was stimmt: es dauert länger, und es geht schlecht allein.
«Arbeite an beidem gleichzeitig, dann geht es schneller.»
Es geht dann nicht schneller, sondern schlechter. Beide Muster gleichzeitig anzugehen heisst, dauernd gegen die jeweils andere Reaktion zu arbeiten. Nimm die Skala, die höher liegt, und lass die andere vorerst stehen. Das ist unbefriedigend und funktioniert besser.
«Wenn Übungen Panik auslösen, musst du durchhalten.»
Nein. Unbehagen beim Üben ist normal und gehört dazu. Panik ist ein Zeichen zum Aufhören, und bei diesem Typ passiert das häufiger als bei den anderen. Ab dieser Stelle ist eine Fachperson kein Zusatz mehr, sondern die Voraussetzung.

Was zuerst hilft

Kürzer als bei den anderen Typen, und das ist Absicht: was hier am meisten bringt, steht nicht in einem Heft.

Eine Fachperson suchen, parallel zu allem anderen

Als erster Schritt und nicht als letzte Möglichkeit. Der Weg führt in der Schweiz über die Hausarztpraxis. Seit dem 1. Juli 2022 übernimmt die Grundversicherung psychologische Psychotherapie auf ärztliche Anordnung, pro Anordnung sind fünfzehn Sitzungen vorgesehen.

Warum das hier oben steht Weil bei diesem Muster der Wirkstoff jemand ist, der reagiert, und genau das kann ein Text nicht. Wartelisten sind real. Mehrere Anfragen parallel sind üblich und nicht unhöflich.

Mit dem höheren Wert anfangen

Liegt deine Bindungsangst höher, ist der erste Hebel das Auslöser-Protokoll aus dem ängstlichen Muster. Liegt die Vermeidung höher, ist es das Körpersignal aus dem vermeidenden. Eine Skala, nicht beide.

Wie du das entscheidest Der Test gibt dir zwei Zahlen, die höhere gewinnt. Sind sie fast gleich, nimm die, bei der dir die Beispiele auf der jeweiligen Seite mehr gesagt haben.

Nichts überstürzen

Kleiner anfangen, als es sich lohnend anfühlt. Ein Schritt, der zu gross ist, löst bei diesem Typ die zweite Strategie aus, und dann war er nicht bloss wirkungslos, sondern kostet Vertrauen in den nächsten Versuch.

Die Abbruchregel Unbehagen: weitermachen. Panik: aufhören, und beim nächsten Termin darüber reden. Diese Regel gilt vor allem anderen.

Und die Hefte?

Ehrliche Antwort: sie sind nicht für diesen Typ geschrieben, sondern für hohe Werte auf einer der zwei Skalen.

Was sie trotzdem können: das Muster erklären, an dem du zuerst arbeitest, und ein Vorgehen dafür liefern. Was sie nicht können: die Wechselwirkung zwischen den beiden Mustern begleiten. Genau die ist bei dir aber das Thema.

Wenn du eines nimmst, dann das zu deinem höheren Wert, und am besten neben einer Begleitung und nicht anstelle davon. Kapitel 12 beschreibt in beiden Heften den Weg dorthin.

Wenn es akut ist,
warte nicht auf
ein Testergebnis

Wenn es dir gerade sehr schlecht geht, ist ein Fragebogen das falsche Werkzeug. Diese Nummern sind rund um die Uhr besetzt.